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Zwischenzeugnis anfordern: Darauf solltest du achten

  • 01.03.2021

  • Category: Jobsuche

Es gibt Situationen im Arbeitsleben, die mutieren schneller vom Fettnäpfchen zur waschechten Katastrophe, als du den Absendebutton der nächsten E-Mail anklicken kannst. Dazu gehört auch das Anfordern eines Zwischenzeugnisses. Was für viele Arbeitnehmer aufgrund von nichtigem Papierkram für ein Amt oder als Referenz für eine nebenberufliche Tätigkeit als Lappalie betrachtet wird, sieht für den Arbeitgeber ganz anders aus. Denn ein Zwischenzeugnis ist nicht selten ein Auftakt zum Jobwechsel und bedeutet ganz nebenbei noch einen Haufen Arbeit.

Zwei Hände liegen tippend auf der Tastatur eines Laptops

Was du als Arbeitnehmer vielleicht nicht weißt, sind die Rechtsfolgen von fehlerhaften Zwischenzeugnissen oder auch Arbeitsrechtsverletzungen generell. Viele Präzedenzfälle wurden für den Arbeitnehmer entschieden und schützen so deine Rechte. Ob Formulierungen, wichtige Angaben oder die Gründe deines Anspruchs: Ein Zwischenzeugnis muss rechtlich genauso betrachtet werden, wie das Abschlusszeugnis. Dieses Dokument ist für dich außerdem ein wichtiges Pfand, falls du wirklich auf der Suche nach einem neuen Job bist. Das sind genügend Gründe, um sich nach dem Drumherum zu erkundigen, das ein Zwischenzeugnis auslöst.

So ist zum Beispiel die Frage nach dem Anspruch auf ein Zwischenzeugnis relevant: Wann, wie und was darfst du genau verlangen? Ist das Anfordern eins Zwischenzeugnisses immer unmittelbar mit negativen Veränderungen gegenüber dem Arbeitgeber verbunden und wie gehst du damit um? Wie kannst du dein Zwischenzeugnis auf Vollständigkeit prüfen? Und welche Optionen hast du neben dem Anfordern eines Zwischenzeugnisses, die vielleicht weniger brisant, dafür aber aussagekräftiger sind? Hier findest du Antworten auf diese Fragen. So kannst du dieses Thema demnächst mit dem nötigen Fingerspitzengefühl behandeln.

Anspruch auf ein Zwischenzeugnis: Wann darfst du und wann nicht?

Im Gegensatz zum normalen Arbeitszeugnis, auf das jeder Arbeitnehmer nach einer sechswöchigen Beschäftigung Anspruch hat, müssen für ein Zwischenzeugnis triftige Gründe vorliegen. Da dieses Prozedere viel Zeit in Anspruch nimmt, wird so die Belastung von Arbeitgebern reduziert und gleichzeitig trotzdem dein Anspruch realisiert:

  1. Anstehende Auszeiten wie Elternzeit, Sabbatjahr oder ähnliche Vorhaben. Nach dieser Zeit könnten eure Vorgesetzten wechseln, weswegen ein Zwischenzeugnis sinnvoll ist.
  2. Vorgesetztenwechsel. Da du nicht weißt, wie sich die Zusammenarbeit mit einem neuen Vorgesetzten gestaltet, ist ein Zwischenzeugnis taktisch klug, und sollte rechtzeitig vor dem geplanten Vorgesetztenwechsel angemeldet werden.
  3. Lange Arbeitszeit ohne Zwischenzeugnis. Hier gibt es keine Faustformel, allerdings sind drei Jahre unter Experten eine gute Richtlinie.
  4. Stellenabbau oder Übernahme des Arbeitgebers durch ein neues Unternehmen. Die Angst vor einem Jobverlust ist immer ein triftiger Grund für das Anfordern eines Zwischenzeugnisses, da durch einen eventuell bevorstehenden Jobwechsel auf Stellensuche gegangen werden muss.

Diese vier Gründe sind legitime Gründe, um ein Zwischenzeugnis anzufragen. Daneben geht es aber auch um Fingerspitzengefühl und besonders offene Kommunikation. Wie gelingt es dir, diesen Spagat zu meistern?

Zwischenzeugnis anfordern: Damit musst du rechnen

Auch wenn du plausible Gründe für deinen Wunsch nach einem Zwischenzeugnis nennen kannst, wirkt sich dieser Schritt in den meisten Fällen auf deinen Arbeitsalltag aus. Da dein Arbeitgeber im Hinterkopf immer einen bevorstehenden potentiellen Jobwechsel hat, kann dir zum Beispiel die Verantwortung für wichtige Projekte entzogen werden. Auch das zwischenmenschliche Verhältnis wird durch unausgesprochene Fragezeichen belastet.

Das Mittel der Wahl ist aus diesem – auch schwerwiegenden – Folgen daher immer völlige Transparenz. Insbesondere für junge Fachkraft haben Arbeitgeber in der Regel viel Verständnis, da eine Karriere erst noch in den Kinderschuhen steht und Jobwechsel eben dazu gehören. In diesem Fall kannst du sogar positive Folgen erleben, wenn dein Unternehmen dich unbedingt halten möchte. Aus diesem Grund lohnt es sich immer, mit offenen Karten zu spielen – insbesondere gegenüber dem Vorgesetzten.

Das Zwischenzeugnis: Was gehört alles dazu?

Arbeitszeugnisse sind eine Wissenschaft für sich. Hier findest du trotzdem die wichtigsten Punkte, auf die du dein Zwischenzeugnis überprüfen solltest. So gehst du sicher, dass dieses Dokument dich bei der Jobsuche nicht behindert, sondern fördert.

  • Angaben zum Arbeitgeber.
  • Beschreibung deiner Aufgaben. Es sollte klar werden, was deine Verantwortlichkeiten und besondere Projekte sind.
  • Daten zum Arbeitsverhältnis wie Beginn und Dauer.
  • Aussagen zum Arbeits- und Sozialverhalten. Ähnlich wie in der Schule kannst du hier auf Formulierungen wie „zur vollsten Zufriedenheit“ und „sehr gut“ sowie „stets bemüht“ oder „gar nicht gut“ achten.
  • Gesamteinschätzung. Auch hier geht es munter weiter mit den Noten: Lass die Formulierungen am besten von einem befreundeten Personaler gegenlesen.
  • Schlussformel. Wertschätzung ausdrücken, Glückwünsche nennen oder einfach mal Danke sagen: Hier hat dein Arbeitgeber die Möglichkeit, dir viele Steine aus dem Weg zu räumen.

Über diese Punkte hinaus muss das Zwischenzeugnis auch formalen Anforderungen genügen. So muss es auf Geschäftspapier, unterschrieben und ausgedruckt zusammen mit dem Firmenlogo vorliegen. Rechtschreibfehler sollten nicht vorkommen und haben sind Zwischenzeugnisse noch eine Besonderheit: Im Gegensatz zu normalen Arbeitszeugnissen müssen die Formulierungen in der Gegenwart geschrieben werden. Ansonsten kann es schnell wie eine vorgezogene Kündigung wirken.

Alternativen zum Zwischenzeugnis: Diese Möglichkeiten gibt es noch

Vielleicht kannst du in einer brisanten Situation kein Zwischenzeugnis verlangen oder ein es hat einfach nicht genügend Aussagekraft für dein Vorhaben: Manchmal ist es besser, auf eine Alternative auszuweichen. Deswegen findest du hier drei Möglichkeiten, wie du deinen Arbeitgeber um ein Dokument bitten kannst, das dir vielleicht sogar noch besser weiterhilft.

#1 Das Referenzschreiben – immer gerne gesehen

In deinem Job verfügst du in der Regel über ein breites Netzwerk an Kontakten. Viele dieser Personen konnten deine Arbeitsleistung vielleicht über einen längeren Zeitraum verfolgen und sind gerne bereit, die positiven Erfahrungen auszudrücken. Kollegen, Kunden und auch Abteilungsleiter sind eine gute Anlaufstelle.

#2 Außergewöhnlich und effektiv: Ein Testimonial

Gibt es jemand in deinem Umfeld, der deine berufliche Laufbahn von Anfang an mitverfolgt und vielleicht sogar gefördert hat? Handelt es sich dabei um eine einflussreiche Persönlichkeit? Dann kannst du diesen Kontakt darum bitten, seine oder ihre Eindrücke zu formulieren.

#3 Eingehendes Arbeits- und Tätigkeitsprofil

Im Gegensatz zum Arbeitszeugnis ist diese Variante sehr viel aufschlussreicher, da ein potentieller neuer Arbeitgeber genau sehen kann, welche Fähigkeiten und Erfahrungen du mit an die neue Arbeitsstelle bringst. Achte darauf, dieses Profil immer unterschreiben zu lassen und vergiss auch nicht, besondere Erfolge und Verantwortlichkeiten zu erwähnen.